Inside Kaufland: Reporter decken erhebliche Missstände in Dutzenden Kaufland-Filialen auf

Kaufland wirbt mit Rabattaktionen und Qualität. Nun aber enthüllen Recherchen von stern und RTL zahlreiche Mängel. Experten nennen die Rechercheergebnisse „alarmierend“.

Die Supermarktkette Kaufland gerät wegen Mäusebefalls, Schimmelbefalls und gefährdender Bakterien auf Hühnerfleisch in Erklärungsnot. stern und RTL haben bundesweit 50 Filialen untersucht und erhebliche Missstände aufgedeckt. In 48 Läden fanden sie teils schwere und schwerste Mängel vor: verschimmelter Käse in der Frischetheke, Probleme mit Kühlsystemen, in einer Filiale in Homburg sogar Mäusekot, angefressene Lebensmittel und Mäuse in der Backabteilung. Am häufigsten dokumentierten die Reporter defekte Kühltruhen und Schimmel.  

In zehn Filialen in zehn verschiedenen Bundesländern haben stern und RTLim Oktober 2024 – Proben von unterschiedlichen Hühnerfleischprodukten genommen und sie von einem unabhängigen Labor untersuchen lassen. Ergebnis: 15 von insgesamt 30 Proben waren mit Campylobactern verseucht – mit Fäkalkeimen also, die schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Zudem wurden in 11 von 30 Proben antibiotikaresistente Erreger festgestellt. Ihr Verzehr kann dazu führen, dass lebenswichtige Antibiotika beim Menschen nicht mehr wirken könnten.

Schimmel in 80 Prozent von 50 untersuchten Kaufland-Filialen

Reinhild Benning, Agrarexpertin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), nannte die Ergebnisse „alarmierend“: Die hohe Belastung des Fleisches sei „nicht zu tolerieren“ und ein „Risiko für die menschliche Gesundheit“. Vor allem die hohe Belastung des Kaufland-Fleisches mit antibiotikaresistenten Keimen hält Benning für gefährlich. „Aus meiner Sicht ist diese Belastung ganz und gar nicht zu tolerieren“, sagte sie. 

In 80 Prozent der 50 untersuchten Kaufland-Filialen dokumentierten stern und RTL zudem Schimmel an und in Kühlregalen. Der Lebensmittelkontrolleur Bernd Stumm wertet dies als Zeichen unzureichender Hygiene: „Wenn ich meine Kühlung wöchentlich gründlich reinigen würde, dann hätten wir so etwas nicht.“

Eine Sprecherin von Kaufland sagte: Man nehme die Hinweise aus den Recherchen ernst, einige der von stern und RTL beschriebenen Mängel entsprächen „definitiv nicht unseren Vorgaben“. Die Qualität der Produkte und der Schutz der Kunden hätten für das Unternehmen „kompromisslose Priorität“, da dulde man keine Abweichungen. Mitarbeiter würden hierzu regelmäßig geschult. Es gebe „definierte Prozesse zum korrekten Umgang mit Lebensmitteln, deren Einhaltung durch Kontrollsysteme dokumentiert überwacht werden“. 

Auch den „Schädlingsbefall“ in der Homburger Filiale räumte die Sprecherin ein. Man sei in „enger Abstimmung mit der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde und Experten“. Die Filiale werde man bald „baulich als auch technisch“ auf einen aktuellen Stand bringen, voraussichtlich ab Mai.

Kaufland-Sprecherin: „Keine dieser Proben von Behörden beanstandet“ 

Zu den defekten Kühlsystemen und den Fäkalkeimen an Hähnchenfleisch schrieb die Sprecherin: Die bemängelten Kühlmöbel seien überwiegend noch Altgeräte, „die im Rahmen umfangreicher Investitionen nach und nach ausgetauscht werden“. Beschlagene Scheiben sowie austretendes Kondenswasser hätten keine Auswirkungen auf die Funktion der Geräte, was täglich protokollierte Temperaturkontrollen in allen Filialen sicherstellten. „Ergänzend zu laufenden und anlassbezogenen Reinigungen, lassen wir unsere Kühlmöbel zwei Mal im Jahr umfangreich warten“.  

Was die Keime auf Hähnchenfleisch betrifft, hätten auch in dem von stern und RTL untersuchten Zeitraum mehrere Behörden in den Filialen routinemäßige Proben von Hähnchenfleisch genommen. „Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde keine dieser Proben von den Behörden beanstandet.“

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